Geschichte des Jüdischen Friedhofs in Eisenhüttenstadt

Die Geschichte der beiden Friedhöfe der Fürstenberger Juden ist im Vergleich zu ihrer Anwesenheit im Ort relativ jung. Denn bis zu Beginn des 19. Jh. brachten sie ihre Toten ins 35 km entfernte Friedland, wo sich seit 1719 der einzige jüdische Begräbnisplatz der Niederlausitz befand. Mit der Eingliederung der Region in Preußen im Jahr 1815 galt dann aber die Bestimmung des Königlichen Allgemeinen Polizeidepartements vom 20. Mai 1814, wonach jüdische Begräbnisse innerhalb eines Radius von einer Meile [= 7,532 km] – gemessen am Wohnort – zu erfolgen haben.
In Widerspruch zu diesem Gesetz steht aber die Aussage, dass sich die Fürstenberger ihren ersten Friedhof erst 1835 angelegt hatten, und zwar hinter dem alten Postamt an der Bahnhofstraße. Fünfzig Jahre später war die Fläche komplett belegt; die Synagogengemeinde musste ihren Friedhof schließen. Von dieser einst 500 m² großen Anlage ist heute jedoch nichts mehr übrig, sie wurde vielmehr überbaut und dem Vergessen übergeben.
900 Meter entfernt vom alten weihte die Gemeinde 1890 ihren neuen Friedhof: auf einem Grundstück, dass der Kaufmann und Gemeindevorsteher Isidor Baron ein Jahr zuvor käuflich erworben hatte. Mit der Zwangsauflösung der Synagogengemeinde Fürstenberg durch NS-Behörden bereits im Jahr 1936 erfolgte die amtsgerichtlich verfügte Zuordnung des Friedhofs zum Eigentum der Synagogengemeinde in Guben. Die kurz zuvor restaurierte Friedhofsmauer wurde abgerissen; eingeebnet wurde der Friedhof aber nicht. Dies hing wahrscheinlich damit zusammen, dass er offenbleiben musste, solange sich Juden in der Stadt aufhielten. Denn die Behörden gingen davon aus, dass es unter den nach Fürstenberg verschleppten polnischen Zwangsarbeitern mit jüdischer Herkunft Todesfälle geben würde. Zwanzig von ihnen starben dann tatsächlich infolge der extremen körperlichen Ausbeutung. Ob sie aber hier wirklich begraben wurden, muss an anderer Stelle überprüft werden.
In welchem Ausmaß der Friedhof geschändet und beräumt wurde, müssen ebenso weitere Forschungen ermitteln. 1944 folgte aber seine „Arisierung“, indem der Bürgermeister das Grundstück dem Brandenburgischen Oberfinanzpräsidenten für 70 Reichsmark „abkaufte“. Hinter diesem Erwerb stand eine Wohnbebauung als Ziel, die es jedoch aufgrund des Kriegsverlaufes ebenso wenig gab wie eine dafür notwendige Änderung im Grundbuch. Bei Kriegsende im Mai 1945 war die inzwischen ausgelöschte Synagogengemeinde zu Fürstenberg weiterhin Eigentümerin des Friedhofs.
Nach Wolfgang Weißleder gab es hier ursprünglich 25 Grabstätten. Durch die erhalten gebliebenen 15 Grabsteine sind aber 20 begrabene Personen namentlich bekannt. Weitere Grabstellen befinden sich demnach im der hinteren Belegungsreihe des Friedhofs. Nach 1945 setzten Shoa-Überlebende der Familie Fellert für ihre Angehörigen einen Gedenkstein, ein Überlebender von Familie Fleischer ergänzte die Namen seiner ermordeten Angehörigen.
Anfang der 1990er Jahre konnte mithilfe eines Förderprogramms der inzwischen 1993 zerstörten Neonazis die gerade zuvor abgeschlossenen Arbeiten, weshalb noch einmal umfangreiche und teure Reparaturen notwendig wurden. Elf Grabsteine mussten wieder aufgerichtet und ein Stein gereinigt werden. Die Mitarbeiter des gegenüberliegenden kirchlichen Friedhofes übernahmen anschließend die Patenschaft für ihr verwaistes jüdisches Pendant.
Inzwischen wird der Jüdische Friedhof durch die Stadtverwaltung vorbildlich betreut und gepflegt, auch wurde er in die Denkmalliste des Landes Brandenburg aufgenommen. Dennoch hat sich am bereits 2000 beklagten tristen Eindruck der direkten Umgebung nicht wirklich etwas verbessert.
Am 16. September 2024 überfielen Unbekannte den kleinen Friedhof: sie beschmierten mehrere Grabsteine mit silbriger sowie das Schild am Eingang mit schwarzer Farbe. Dies und ein ins Schild geritztes Hakenkreuz entdeckten Jugendliche auf ihrem Schulweg und informierten die Polizei. Der materielle Schaden konnte schnell behoben werden, auch wurde die Presse umgehend informiert. Was bleibt ist, sich weiterhin aktiv für den würdigen Umgang mit der jüdischen Kultur einzusetzen. Es wäre daher sehr zu begrüßen, auch an den beseitigten alten Friedhof an der Bahnhofstraße mit einer Kennzeichnung zu erinnern.
Anke Geißler-Grünberg