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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Die Entscheidung für ein Auslandssemester im Masterprogramm habe ich schon früh getroffen. Schon vor meiner Bewerbung an der Universität Potsdam habe ich mich auf der Seite der Uni informiert, welche Austauschmöglichkeiten angeboten werden. Aufgrund der Möglichkeit, schnell ins Ausland zu gehen und eine Finanzierung zu erhalten, entschied ich mich für das Erasmus+ Programm. Der Ablauf der Formalitäten war mir schon vertraut, da ich im Bachelor-Studium ein Auslandssemester in Finnland absolviert hatte. Im ersten Semester WS 17/18 bewarb ich mich, um im dritten Semester im WS 18/19 ins Ausland zu gehen. Informationen und Erfahrungsberichte zu Universitäten, die meinen Studiengang betreffen, waren leider praktisch nicht verfügbar, weil das Angebot von nur sehr wenigen Studenten in meiner Fakultät genutzt wird. Meine Wahl fiel auf die Universidad Politècnica de Catalunya in Barcelona, da ich die Stadt schon gut kannte und zudem werden dort viele Vorlesungen in Englisch angeboten, auf die ich ohne Spanisch-Kenntnisse angewiesen war.

Nachdem geklärt war, wer die Rolle des Erasmus-Koordinators in meiner Fakultät einnimmt,  verlief die Bewerbung relativ unkompliziert. Ansonsten wurde noch ein englischer Sprachnachweis (B1) von der Gast-Uni gefordert – ein DAAD Test der Uni Potsdam war jedoch ausreichend.

Die Wahl der Kurse stellte sich als kompliziert heraus. Viele Kurse waren von Anfang an nicht für Studierende im Erasmusprogramm zugänglich und andere Kurse, die ich gewählt hatte, waren schon voll. Dadurch, dass man nicht sehen konnte, welche Kurse noch frei waren, musste ich per Mail mehre Anfragen stellen, bis ich eine zufriedenstellende Auswahl an Vorlesungen hatte.


Studienfach: Computational Science

Aufenthaltsdauer: 09/18-01/19

Gastuniversität:Universitat Politècnica de Catalunya

Gastland:Spanien

Studium an der Gastuniversität

Die Universidad Politècnica de Catalunya ist eine Technische Universität, die sich etwas außerhalb des Stadtzentrums befindet, aber gut mit der Metro oder dem Bus zu erreichen ist. Bevor das reguläre Semester Anfang September begann, gab es noch eine zweitägige Orientierungseinheit, bei der wir uns an der Uni einschreiben konnten und uns mit den Onlinediensten der Universität und dem Campus vertraut machen konnten. Das Highlight war ein Sportkurs und ein kostenloser Besuch im Museu Nacional d'Art de Catalunya, wodurch man direkt seine Kommilitonen kennen lernen konnte und erste Freundschaften schließen konnte.
Mein Campus beinhaltete alle wichtigen Orte, die man als Student regelmäßig besucht. Das International Office, eine Bibliothek, eine Sportstätte und die Mensa befinden sich in unmittelbarer Entfernung zu den Vorlesungssälen. Die Bibliothek bietet ausreichend Platz für Einzel- aber auch für Gruppenarbeitsplätze. Nur während der Klausurenphase hatte man Schwierigkeiten einen Platz zu bekommen. Das Essen in der Mensa hat gut geschmeckt, allerdings kostete ein Menü 7 Euro, wodurch viele Studierende es vorzogen zu Hause zu essen. Außerdem gab es wenig vegetarische Gerichte. Natürlich befindet sich auf dem Campus auch ein Café bzw. Bar, in der man auch kleinere Snacks bekommt. Überrascht hat mich, dass sich dort viele Studierende zur Mittagspause treffen und schon ein Bier trinken. Das Angebot der Sportstätte habe ich nicht in Anspruch genommen. Die Räumlichkeiten machen aber einen guten Eindruck und für einen angemessenen Semesterbeitrag besteht die Möglichkeit an allen Sportkursen teilzunehmen.   
Meine Kurse fanden entweder in Seminar- oder Computerarbeitsräumen statt und die Klassen hatten in der Regel eine angenehme Größe von 20 bis 40 Studentinnen und Studenten. Die Ausstattung war angemessen und sowohl die Dozentinnen und Dozenten als auch die Studierenden waren hilfsbereit und haben ausschließlich in Englisch gesprochen, was sonst in Spanien eher die Ausnahme ist. Manche der Lehrenden hatten allerdings einen starken spanischen Akzent, sodass das Zuhören etwas anstrengend war. In einem Kurs hatte ich Probleme dem Inhalt zu folgen, weil der Dozent teilweise auch spanische Folien benutzte. Das Arbeitspensum und die Struktur der Lehre war mit dem deutscher Unis vergleichbar. Teilweise mussten sogar mehr Projekte umgesetzt werden, als ich es von der Uni Potsdam gewohnt war. Die Projekte hatten auch einen großen Einfluss auf die Endnoten der Kurse. Besonders wertvolle Erfahrungen bezüglich meiner Fähigkeiten als Entwickler und meiner zukünftigen Karriere konnte ich bei einem Hackathon gewinnen, der von der Universität ausgetragen wurde. Bei dieser Veranstaltung verbrachten 700 Studierende ein Wochenende in der Uni, um im Team ein Projekt zu verwirklichen. Es gab kostenloses Essen und interessante Vorträge. Außerdem hatte ich die Gelegenheit von hervorragenden Entwicklern, die bereits in diesem Feld arbeiten, zu lernen und mit anderen Studierenden zusammen zu arbeiten.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Zu Beginn des Studiums gibt es täglich Veranstaltungen für Internationale Studierende, um sich kennen zu lernen. Die meisten werden von dem Erasmus Student Network (ESN) organisiert, eine nicht-kommerzielle Internationale Studentenorganisation. Aber auch viele Reise- und Partyorganisationen versuchen die Aufmerksamkeit der Studierenden zu erhalten. Auf jeden Fall fällt es nicht schwer, viele Kontakte und Freundschaften mit ausländischen Studierenden in dieser Zeit zu knüpfen. Ich hatte das Glück, sehr nette Freunde mit unterschiedlichen Nationalitäten von verschiedenen Universitäten kennen zu lernen.
Der Kontakt zu einheimischen Studierenden fiel dagegen deutlich schwerer. Die Universität bietet ein Buddy Programm an, das die Unterstützung eines einheimischen Studierenden vermittelt. Auch in den Kursen der Universität gibt es immer wieder Gelegenheiten, bei denen man mit einheimischen Studierenden zusammen arbeitet. Im Allgemeinen bleiben aber ausländische und einheimischen Studierende in Ihrer Freizeit eher für sich.
Über mein Hobby Tanzen gelang es mir, flüchtige Freundschaften mit Katalanen zu schließen, darüber hinaus war es mir möglich, Kontakte zu meinen weit entfernten spanischen Verwandten aufzubauen, die ich in Serinyà und Barcelona besuchen konnte.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Durch meinen Auslandsaufenthalt in Helsinki hatte ich schon ein sehr hohes englisches Sprachniveau, das durch das Studium in Barcelona aufgefrischt wurde. Mein Ziel war es vor allem, Spanischkenntnisse zu erlangen und ich hatte gehofft, am Ende fließend sprechen zu können. Die Erwartungen stellten sich als etwas zu hoch heraus, weil ich meinen Aufenthalt ohne Kenntnisse startete und sich die Studierenden untereinander in Englisch verständigten. Immerhin nahm ich mir die Zeit, einen vierstündigen Kurs pro Woche während des Semesters zu belegen und versuchte täglich zu üben, sodass ich zumindest das Niveau A2 erreichte.

Wohn- und Lebenssituation

Direkt nach dem Erhalt der Zusage, kümmerte ich mich darum, ein Zimmer in Barcelona zu finden und buchte dieses schon vor meiner Ankunft über die Plattform von Resa Housing – einer Zimmervermittlung für Studenten. Allerdings sind die Wohnungen im Privatbesitz und es ist nicht klar in welchem Zustand sich die Wohnungen befinden und an welche Vermieter man gerät. Meine Vermieter waren zum Glück sehr nett, immer hilfsbereit und haben Schäden an der Wohnung sofort behoben. Auch die Lage der Wohnung im Stadtteil Eixample, im Herzen der Stadt, war optimal. Viele Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants und Bars befanden sich direkt vor der Haustür und aufgrund der dichten Bebauung können viele Orte schnell erreicht werden. Die Miete für das etwa 12 m² Zimmer in einer fünf Personen Wohngemeinschaft betrug 420 Euro. Günstigere Zimmer sind nur schwer zu finden in Barcelona. Viele meiner Freunde mussten eine höhere Miete zahlen, da Zimmer oft teuer an Austauschstudierende vermietet werden. Die Option in einem günstigen Studentenwohnheim zu wohnen wird Austauschstudierenden leider nicht angeboten und die von privaten Organisationen vermieteten Studentenwohnheime verlangen sehr hohe Mieten.
In Barcelona zu leben ist ein tolles Gefühl. Die Stadt bietet unglaublich viele Möglichkeiten,  um seine Freizeit zu gestalten und zudem trägt das schöne Stadtbild dazu bei, sich wohl zu fühlen. Besonders gerne habe ich mich in Gracia aufgehalten, einem alternativen Stadtteil mit schmalen Straßen, in denen sich viele Bars und interessante Geschäfte befinden. Die vielen Plätze in Gracia werden als Treffpunkt der Bewohner genutzt und schaffen eine belebte aber dennoch entspannte Atmosphäre, im Vergleich zu dem sonst dichten Verkehr in der Stadt. Im September und Oktober ist vor allem der Strand ein beliebter Treffpunkt, um gemeinsam die Zeit zu verbringen und an warmen Tagen schwimmen zu gehen. Im Winter lohnt es sich das kulturelle Angebot der Stadt wahrzunehmen. Fast alle Museen in der Stadt bieten an bestimmten Tagen kostenlosen Eintritt an. Es lohnt sich vorher im Internet zu recherchieren z.B. barcelonanavigator.com/free-museum-days/. Außerdem gibt es viele Kinos, die Filme in der Originalversion zeigen. Nachts sind die Ausgehmöglichkeiten vielfältig und für Erasmus Studierende bieten viele der großen Clubs kostenlosen Eintritt an. Diese waren mir zum Teil aber zu touristisch und kommerziell. Stattdessen bin ich mit anderen Erasmus Studierenden die meiste Zeit Salsa und Bachata tanzen gegangen, dort tanzten auch viele Einheimische. Darüber hinaus gibt es viele kostenlose Veranstaltungen in der Stadt. Vor allem das Festival La Mercè im September ist ein absolutes Highlight. In der ganzen Stadt finden tagsüber Umzüge statt. Abends gibt es eine Vielzahl von Konzerten und zudem Lichtinstallationen und Feuershows. Am letzten Tag findet eine fulminante Feuerwerkshow am Plaza España statt. Neben dem La Mercè Festival war auch der Nationalfeiertag von Katalonien am 11. September beeindruckend für mich. Aus ganz Katalonien waren Unterstützer der Unabhängigkeitsbewegung angereist und die ganze Stadt war mit Flaggen der Katalanen geschmückt.
Um weitere Strecken zurück zu legen, ist der öffentliche Nahverkehr ideal. Für unter 25-Jährige gibt es die Möglichkeit ein 3-Monatsticket für 105 Euro zu kaufen. Auch Einzelfahrten kosten nur 1 Euro bei Kauf eines 10 Fahrten Tickets. Für meinen täglichen Weg zur Uni und um die Stadt besser kennen zu lernen, entschied ich mich, ein gebrauchtes Fahrrad zu kaufen und nutzte ansonsten das 10 Fahrten Ticket. Auf der Website es.wallapop.com und der dazugehörigen App kaufte ich auch eine Gitarre. Beide Sachen konnte ich am Ende wieder verkaufen.
Ich hatte nicht das Gefühl, dass die Lebenshaltungskosten höher sind als in Potsdam oder Berlin. Wer selber kocht, bekommt hochwertige Produkte zu ähnlichen Preisen wie in Deutschland in den Supermärkten, so dass es auch möglich ist günstig in Barcelona zu leben.

Studienfach: Computational Science

Aufenthaltsdauer: 09/18-01/19

Gastuniversität:Universitat Politècnica de Catalunya

Gastland:Spanien


Rückblick

Mein persönliches Fazit dieses Auslandsaufenthalts ist auf jeden Fall positiv. Ich hatte eine tolle Zeit in Barcelona, in der ich viele neue Erfahrungen sammeln konnte. Die Stadt hat vor allem kulturell, kulinarisch und im Nachtleben einiges zu bieten. Darüber hinaus habe ich viele interessante Menschen kennen gelernt und auch einige sehr gute Freunde gefunden, die ich bestimmt wiedersehen werde. Für längere Zeit in einem anderen Land zu leben und in dessen Kultur einzutauchen, ist ein völlig anderes Erlebnis, als seinen Urlaub dort zu verbringen. Ich kann es unbedingt empfehlen diese Erfahrung zu machen.

Natürlich gibt es auch Sachen, die mir nicht so gut gefallen haben. Durch die Größe der Stadt trifft man zwar ständig neue Leute, aber es gab keine wirkliche Gemeinschaft unter den Erasmus Studierenden, sondern es haben sich eher Gruppen gebildet. Auch war es schwierig seine Spanisch Kentnisse in Barcelona zu verbessern. Nichtsdestotrotz hat es natürlich auch viele Vorteile in dieser Stadt zu wohnen und die Universidad Politècnica de Catalunya ist eine wirklich gute Universität.

Spanien

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