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Verschwörungsmythen und Corona-Krise – Wie Lehrkräfte darauf reagieren können

Uni-Absolventin Sophia Bock mit ihrer Masterarbeit | Foto: Magda Pchalek
Foto : Magda Pchalek
Uni-Absolventin Sophia Bock mit ihrer Masterarbeit
„In Krisenzeiten, wie aktuell in der Corona-Krise, haben rechtsextreme Verschwörungsmythen Hochkonjunktur“, sagt Uni-Absolventin Sophia Bock, die ihr Lehramtsstudium in Deutsch und Geografie mit einer erziehungswissenschaftlichen Masterarbeit zu „Rechtsextremen Verschwörungsmythen in der Corona-Krise – Historische Genese und schul-didaktische Gegenkonzepte“ abschloss.

In der Fach- wie in der populärwissenschaftlichen Literatur war bislang der Begriff der Verschwörungstheorie gängig. „Das passt aber nicht“, so Sophia Bock, denn „Theorie impliziert, dass man sie verifizieren oder falsifizieren kann. Dem entziehen sich Verschwörungsnarrative. Deshalb ist es auch so schwierig, sie zu diskutieren.“ Das sei besonders im schulischen Kontext eine Herausforderung für Lehrerinnen und Lehrer, auf die sie vorbereitet werden müssen. Bisher gebe es jedoch nur wenig bekannte didaktische Konzepte, mit dem Problem im Klassenraum sinnvoll umzugehen. „Und auch nicht alle Konzepte, die es gibt, sind gut. Deshalb entschied ich mich für diese Masterarbeit“, so die Absolventin, die dafür die Bestnote 1,0 erhielt.

Sophia Bock weist im Theorieteil nach, dass es immer schon Verschwörungserzählungen gab, die die Welt in unsicheren Zeiten für Individuen strukturierte. „Das ist einfach wichtig zu wissen – viele rechtsextreme Verschwörungserzählungen sind nicht neu bzw. sie passen sich einfach der Zeit an und erscheinen je nach Kontext in einem neuen Gewand. Sie sind eine historische Konstante, deren Inhalte aber jeweils mit kultureller Gegenwart und Raum zusammenhängen“, so die Absolventin. Diese Erkenntnis sei für ihr schuldidaktisches Konzept von enormer Wichtigkeit, denn unter Rückgriff auf historische Verschwörungsmythen lasse sich das Konzept gut erfassen. Die Schülerinnen und Schüler könnten einen Mythos kennenlernen, historisch einordnen und verstehen, warum er aufgekommen ist und welche Funktion er für Individuen oder größere Gruppen hat. Diese Narrative seien zum Beispiel ein Mittel zur Komplexitätsreduktion. Außerdem hätte ein empfundener Kontrollverlust den Effekt, dass Menschen eher an Verschwörungsmythen glauben würden. Sie erlangen über das gemeinschaftliche Glauben, also eine Kollektivbildung, wieder ein Gefühl der Überlegenheit und Selbstwirksamkeit. „Man muss sich das so vorstellen, dass alle anderen, glücklicherweise die Mehrheitsgesellschaft, dann für unwissend erklärt werden“, so Bock.

Ihr schuldidaktisches Konzept soll dem Glauben an Verschwörungsmythen schon in der Schulzeit vorbeugen. In einem ersten Schritt geht es um eine historische Einordnung und einen reflektierten Umgang mit aktuellen Mythen. Im zweiten Schritt soll die Medienkompetenz der Schüler gestärkt werden. Sie sollen lernen, wie sich Verschwörungsmythen verbreiten und die Rolle der Medien beurteilen. Danach folgt in einem dritten und letzten Modul die Beschäftigung mit aktuellen rechtsextremen Verschwörungsmythen.

Schon in der Schule gegenzusteuern, ist Sophia Bock wichtig, denn: „Verschwörungsmythen sind gefährlich, weil sie vom Rechtsextremismus benutzt werden. Gerade sie machen ihn in Krisenzeiten anschlussfähig an breitere Schichten der Gesellschaft. Dagegen muss etwas getan werden“, so die ehemalige Studentin. In ihrer Arbeit zeigt sie, wo und in welchen Fächern die Rahmenlehrpläne von Berlin und Brandenburg eine Beschäftigung mit Verschwörungsmythen ermöglichen. „Es ist gar nicht so, dass man das in der Schule unter den jetzigen Bedingungen nicht machen könnte – aber die Lehrkräfte haben bisher zu wenig Unterstützung dabei.“ Einen ersten Beitrag, nämlich eine didaktische Handreichung, hat Sophia Bock nun geliefert.

Die junge Absolventin denkt darüber nach, ihre Ergebnisse zu publizieren. Interessierte Lehramtsstudierende und berufserfahrene Lehrkräfte können sich bereits jetzt bei ihr melden. „Wenn ich nicht nur für die Note geschrieben habe, sondern das Konzept angewendet wird, freue ich mich natürlich. Außerdem wäre es toll, Feedback aus den Schulen zu bekommen“, sagt Bock mit wissenschaftlicher Neugier. „Ich will gerne Lehrerin werden, meine Fächer unterrichten. Gleichzeitig mag ich die Forschung und möchte nicht zu sehr abgekoppelt sein von den neuesten Erkenntnissen.“ Sophia Bock denkt darüber nach, während ihres Referendariats zu promovieren. Sie weiß, worauf sie sich damit einlassen würde: „Klar, dass ist eine Menge Arbeit, aber ich liebe Herausforderungen, solange die Qualität nicht leidet.“

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Online-Redaktion

Sabine Schwarz