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20 Jahre Abraham Geiger Kolleg an der Universität Potsdam: zwischen Erfolg und Unsicherheit

Am 17. August 2019 jährt sich die Gründung des Abraham Geiger Kollegs an der Universität Potsdam zum 20. Mal. Gestern gab die Staatskanzlei des Landes Brandenburg bekannt, dass in den vergangenen 5 Jahren 492 antisemitische Vorfälle registriert wurden, die Tendenz sei steigend. „Das unterstreicht die Forderung des Abraham Geiger Kollegs, dass es Aufgabe des Landes ist, die Sicherheit der Rabbiner- und Kantorenausbildung in Potsdam zu gewährleisten“, sagt Rabbiner Prof. Walter Homolka, Rektor des Abraham Geiger Kollegs.

Das Abraham Geiger Kolleg wurde als erstes Rabbinerseminar nach der Schoa in Kontinentaleuropa gegründet. Junge Menschen aus der ganzen Welt kommen nach Potsdam, um sich hier zu liberalen Rabbiner*innen und Kantor*innen ausbilden zu lassen. Acht Frauen und siebenundzwanzig Männer haben seitdem die Ausbildung in den beiden letzten Dekaden erfolgreich abgeschlossen.

2001 wurde das Kolleg An-Institut der Universität Potsdam, 2007 entstand die Kantorenausbildung, 2010 wurde mit Alina Treiger die erste Frau nach der Schoa in Deutschland zur Rabbinerin ordiniert. Das 2013 gegründete Institut für Jüdische Theologie ist einzigartig in der deutschen Universitätslandschaft. Zusammen mit der Jüdischen Theologie sind Brandenburgs Rabbinerseminare für Europa Leuchtturmprojekte der Universität Potsdam. Im Spätsommer 2020 wird das Abraham Geiger Kolleg auf den Campus der Universität Potsdam ziehen, ins Nordtorgebäudes am Neuen Palais.

„Professor Homolka und seine Mitstreiter haben entscheidende Akzente für die Konsolidierung, aber auch Erneuerung jüdischen Lebens in Deutschland gegeben. Wir als universitärer Partner des AGK freuen uns darüber, dass wir ein wenig mithelfen konnten, die neue jüdische Vielfalt in Deutschland zu stärken“, so Unipräsident Oliver Günther. „Und obgleich wir auf eine Erfolgsgeschichte zurückblicken können, ist uns bewusst, dass es noch viele Herausforderungen zu bewältigen gilt.“

Das Abraham Geiger Kolleg an der Universität Potsdam steht in der Tradition der von Rabbiner Abraham Geiger (1810‒1874) 1872 mitbegründeten Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, die 1942 von den Nationalsozialisten geschlossen wurde. Verwurzelt in den Werten des liberalen Judentums, verbindet das Kolleg jüdische Traditionen mit modernen wissenschaftlichen Fragestellungen, um so auch die Teilhabe an der Zivilgesellschaft zu stärken. Es ist der Verbreitung eines zeitgemäßen jüdischen Lebens verpflichtet, das sich mit den intellektuellen und ethischen Fragen unserer Gegenwart auseinandersetzt und neue Impulse gibt.

Das Abraham Geiger Kolleg hat derzeit achtzehn Rabbiner- und acht Kantorenstudierende. Neun der insgesamt sechsundzwanzig Studierenden sind Frauen. Die Studierenden kommen aus Deutschland, Belgien, Norwegen, aus Russland, der Ukraine und Weißrussland, aus Israel, aus Brasilien und den USA. Ein Großteil der Absolvent*innen arbeitet heute für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland; weitere amtieren in Frankreich, Großbritannien, Österreich und Luxemburg, in Israel, Südafrika und in den USA.

Text: AGK/Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Online gestellt: Matthias Zimmermann
Kontakt zur Online-Redaktion: onlineredaktionuni-potsdamde

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