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Grammatische Innovation im Sprachkontakt – Neue DFG-Forschergruppe bewilligt

Der Zweisprachigkeit widmet sich eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) neu bewilligte Forschergruppe. Unter dem Titel „Grammatische Dynamiken im Sprachkontakt: ein komparativer Ansatz“ arbeiten acht verschiedene linguistische Einzelprojekte an der Universität Potsdam, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Universität Stuttgart, dem Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft (ZAS), der Technischen Universität Kaiserslautern und der Universität Mannheim in den kommenden drei Jahren zusammen. „Wir erwarten neue Erkenntnisse zur besonderen Dynamik von Sprachvariation, Sprachwandel und sprachlichen Repertoires in Kontaktsituationen“, sagt die Sprecherin Prof. Dr. Heike Wiese von der Universität Potsdam.

Im Türkischen, das in Deutschland gesprochen wird, lässt sich seit einiger Zeit eine interessante Entwicklung beobachten: Obwohl das Türkische eigentlich keine Artikel braucht, scheinen Sprecherinnen und Sprecher in Deutschland das Zahlwort für „eins“ häufig wie eine Art Artikel zu benutzen – ähnlich wie im Deutschen. So etwas ist typisch für Menschen, die Türkisch als eine sogenannte „Heritage“-Sprache sprechen, d.h. als Sprache, die zum kulturellen Erbe (englisch „heritage“) der Familie gehört, z.B. weil die Großeltern aus der Türkei eingewandert sind. Entsteht hier eine neue Grammatik, ein „Deutschlandtürkisch“? Was passiert in Sprachgemeinschaften, in denen neben der Mehrheitssprache, also in diesem Fall dem Deutschen, noch eine Heritage-Sprache gesprochen wird? Wie entwickeln sie ihre Heritage-Sprache weiter, und wie verwenden sie die Mehrheitssprache? Welche neuen Möglichkeiten entstehen dann z.B. im umgangssprachlichen Deutschen?
Solchen Fragen geht die neue Forschungsgruppe nach, die ab Frühjahr 2018 von der DFG gefördert wird. „Während man früher häufig von Abbau und Reduktion bei Heritage-Sprachen ausging, weisen neuere Ansätze daraufhin, dass sich hier häufig spannende neue grammatische Optionen entwickeln. Durch den Sprachkontakt entsteht ein großes Innovationspotential, und diese grammatische Dynamik wollen wir in den verschiedenen Projekten aufspüren“, erklärt die Sprecherin der Forschergruppe, Heike Wiese vom Institut für Germanistik der  Universität Potsdam.  
In der neuen Forschungsgruppe werden acht Projekte kooperieren, die auf fünf weitere Standorte neben der Universität Potsdam verteilt sind, nämlich die Humboldt-Universität zu Berlin, das Leibniz-Zentrum „Allgemeine Sprachwissenschaft“ und die Universitäten Mannheim, Stuttgart und Kaiserslautern. Außerdem beteiligt sind zwei international führende Expertinnen aus den USA und Kanada als „Mercator-Fellow“ der Gruppe, Masha Polinsky von der University of Maryland und Shana Poplack von der University of Ottawa.

Kontakt: Prof. Dr. Heike Wiese, Institut für Germanistik
Telefon: 0331 977-4222
E-Mail: heike.wieseuni-potsdamde

Medieninformation 15-12-2017 / Nr. 197
Jana Scholz

Universität Potsdam
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